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Femundløpet 2011 – Teil 5 – Willst du Nordlichter sehen? Dann fahr weit hoch, in den Norden.

Femundløpet 2011 – Teil 5 – Grüne Nacht

Der Checkpunkt Søvollen liegt in den Bergen. Ein Hüttendorf für Skiwanderer, mit dem Auto nur über eine Mautstraße zu erreichen. Als wir die Mautstation anfahren, finden wir nur ein kleines unbesetztes Häuschen, mit einem Zettel auf dem steht wie man den hier die Maut zu bezahlen hat. Zu unserem Glück kommt ein Norweger vorbei, der uns das Ganze in gebrochenem Englisch erklären kann. Wir werfen also 40 Kronen in einen Umschlag mit unseren Namen und Autokennzeichen drauf und bugsieren diesen dann in einen Briefkasten.
Jetzt wird die Straße noch steiler und enger, aber wir erreichen den Parkplatz problemlos. Viel Trubel erwartet uns. Skifahrer, Doghandler, Musher und Hunde sind auf der Straße unterwegs. Wir finden erneut einen guten Platz zum Halten und wie einstudiert beginnen wir unsere Arbeit. Treppe zur Hundebox aufbauen, Hunde aus dem Auto raus holen, Wasser geben, die Depotsäcke fertig machen. Alles geschieht schon automatisch, ohne viel drüber nachzudenken. Ich starte den Generator um unsere Standheizung mit Strom zu versorgen, aber wieder tut sie nicht was sie soll. Der Dodge wird einfach nicht warm, das Trocknen von Decken und Booties bleibt unmöglich. In der Hoffnung, dass es hier einen Trockenraum gibt machen wir uns, nachdem wir alles wieder eingepackt haben, auf den Weg zum Hundebereich. Etwa einen halben Kilometer liegt der vom Parkplatz entfernt.
Das Wetter ist traumhaft. Anders als erwartet ist es sonnig und kaum windig. Schäfchenwolken ziehen nur knapp über unseren Köpfen langsam über den Himmel. Wieder kommen uns viele Skifahrer entgegen. Nach einer Rechtskurve wird der Blick frei auf den Checkpunkt. Eingeschneit liegen die Hütten inmitten des Waldes. Durch die vielen Menschen wirkt der Ort jedoch nicht so idyllisch wie ich es erhofft hatte. Laute Musik ist schon aus 300 Metern Entfernung zu hören, Stimmengewirr mischt sich dazwischen. Ich stelle die Depotsäcke ins Depot. Eine Möglichkeit zum Trocknen der Sachen gibt es hier nicht. Es wird wohl noch mindestens 3 Stunden dauern bis Ben eintrifft.

Um 16 Uhr ist es dann soweit. Kurz nach dem Schweizer Team kommt er angeführt von Pauline und Joop aus dem Wald heraus. Er versorgt wie immer zuerst die Hunde und verabschiedet sich dann für ein mehrstündiges Schläfchen in eine der warmen Hütten. Ich bleibe noch für eine Stunde bei den Hunden, während Detlef ein paar Sachen für Ben aus dem Dodge zusammensucht. Mein Magen meldet sich und ich entscheide mich ein paar meiner norwegischen Kronen in ein leckeres Essen zu investieren. Viel ist nicht im Angebot. Letztendlich bestelle ich einen Tee und einen Hamburger. Dass die ausgegebenen 160 Kronen umgerechnet 20 Euro sind, wird mir erst beim Essen bewusst. Der teuerste Hamburger meines Lebens. Naja wenigstens schmeckt es, satt macht es mich allerdings nicht. Zum Glück habe ich mir noch eine Packung Kekse eingepackt.
Mittlerweile ist Detlef wieder aufgetaucht. Er möchte gerne ein wenig schlafen und entscheidet sich für die Bank hinter mir. Zehn Minuten lang ist abgesehen von der Musik aus den Boxen außerhalb der Stube erträgliche Ruhe. Dann fängt nebenan eine Akkordeonspielerin an norwegische Volkslieder zu spielen. Das Publikum ist begeistert, Ruhe findet man dabei allerdings nicht.

Von meinem Platz aus habe ich einen guten Blick auf die Hunde. Sie liegen ruhig unter den Decken, nur ab und zu bewegt sich etwas. Alle bleiben jedoch in ihren warmen Woll-Iglus. Das Treiben außerhalb stört keinen der 11 Athleten. Unaufhörlich läuft draußen Musik. Der Bass dröhnt in meinen Ohren. Dann plötzlich Hektik. Immer mehr Menschen drängen sich in den kleinen Raum. 20 angetrunkene Norweger suchen lachend und grölend nach freien Plätzen. Sie schieben Tische zusammen und rücken Stühle. Detlef wacht auf, falls er überhaupt geschlafen hat.
Wir verlassen die Hütte in Richtung Dodge. Die Rennhunde sind noch immer ruhig. Es ist auch noch nicht an der Zeit Ben zu wecken, also werden wir zuerst die 5 Vierbeiner in unserer Obhut versorgen. Stormy und Lalaby freuen sich über die Aufmerksamkeit die wir ihnen in den vorangegangenen Stunden leider nur wenig zu Teil kommen lassen konnten. Yukon und Smilla bellen freudig und Inuk scheint etwas traurig über ihr frühzeitiges Aus zu sein. Sie sitzt eher passiv vor ihrem Futter, nur den Pansen frisst sie sofort. Obwohl die Standheizung 4 Stunden am Stück lief, ist es im Innenraum der Hundekabine kalt, nur knapp 4 °C. Wir führen die Hunde zurück in ihre Boxen und machen uns auf den Weg zurück.
Am Wegrand sind, was mir am Tag gar nicht aufgefallen war, Fackeln aufgestellt. Brennend beleuchten sie den Pfad spärlich, aber ausreichend. Jetzt endlich ist der Ort, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Verträumt schaue ich zum Himmel. Es ist eine sternenklare Nacht. Blassgrüne Lichter flackern über das schwarze Firmament, Nordlichter. Minutenlang beobachte ich, wie sich die grünen Bänder langsam verändern, sich wölben, ineinandergreifen und wieder verschwinden. Ein Bild, dass sich für immer in meiner Erinnerung einbrennen wird.

Die Hunde stecken die Köpfe unter den Decken hervor. Pauline, Joop, Eki und Akira liegen wie ein großes Fellknäuel zusammen ganz vorn. Akira kaut auf einem Stück Pansen rum. Whity guckt mich verschlafen an und Piki hat die Nase immernoch unter seinem Schwanz vergraben. Eddy liegt, wie meist, auf der Decke. Gipsy neben ihr ist unter der Decke nur zu erahnen. Sie scheint sich während der vergangenen Stunden nicht bewegt zu haben. Auch Bosse ist noch vergraben und Lucy liegt mit geschlossenen Augen neben ihm. Yuna ruht allein unter ihrer Decke, neben ihr ein großer Haufen Futter. Sie scheint bisher nichts davon angerührt zu haben. Die anderen fressen ihre Mahlzeit, die Ben ihnen jetzt bereitet hat zum größten Teil ganz ordentlich. Sie scheinen ihren Rhythmus gefunden zu haben, auch wenn sie immer noch viel zu wenig Wasser und Nahrung aufnehmen.

Ben verschwindet wieder um selbst was zu essen und ich setze mich in ein Holztipi mit brennender Feuerstelle. Kaum jemand ist noch hier. Ein Team lädt gerade ihre Hunde ein und packt den Schlitten aus. Für sie ist das Rennen hier vorbei, warum weiß ich nicht.

Fast 10 Teams geben hier auf, unter ihnen auch die Schweizer. Um 23 Uhr fängt Ben an sich fertig zu machen. Der Tierarzt kommt vorbei und untersucht alle elf Hunde. Eddy und Yuna fallen ihm auf, Ben soll sie im nächsten Checkpunkt wieder untersuchen lassen. 40 Minuten später verlässt er Søvollen.

Die Polarlichter sind stärker geworden. Detlef und ich fegen das Stroh zusammen und verlassen den Ort in Richtung Tynset. Seit Rennbeginn habe ich zwei Stunden Schlaf bekommen, das macht sich jetzt bemerkbar. Im Auto kämpfe ich gegen die Müdigkeit an und verliere immer wieder für kurze Zeit. Die Wärme in der Fahrerkabine umhüllt mich wie ein Mantel in dem ich versinke. Es tut gut, als ich in Tynset an einer Tankstelle aussteigen muss, um nach dem Weg zu fragen. Ein anderes Schlittenhundeteam tankt dort und sie schlagen vor, dass wir ihnen einfach bis zum Checkpunkt folgen sollen und das tun wir. Laut Wegbeschreibung sollen es vom Ortskern nur 5 km sein. Nach 10 km erkennen wir, dass dieses Team bereits zum (für uns übernächsten) Checkpunkt Grimsbu fährt und nicht Tynset. Also kehren wir um. Überraschend schnell finden wir die richtige Abzweigung und kurz danach sind wir am Ziel.

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